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Düsterland (2) „Desmond“

Wir starten an einem in den Tälern trüben, aber doch eisigen Dezemberabend in der Rhön. Desmond ist 13 Jahre alt und ein etwas schlacksiger, aber hübscher junger Mann. Seine dunklen Haare sind kurz geschnitten, seine Haut leicht gebräunt. Verwirrt sitzt er auf einem Hügel nahe der Wasserkuppe. In seinen Händen hält er zitternd ein Blatt Papier. Sein Blick geht ins Leere. Er fühlt eine unendliche Sehnsucht in sich, Einsamkeit, Traurigkeit und doch Hoffnung und Liebe.

Er schaut auf die Sonne, die bald untergeht – und tief in ihm weiß er, dass ein langer, beschwerlicher Weg vor ihm liegt. Allerdings hat er keine Ahnung, wie er an diesen Platz gekommen ist.

Vor zwei Stunden fand er sich auf einem Felsen nahe der Wasserkuppe wieder. Als er aufwachte, war er alleine. Körperlich unversehrt, aber ohne Erinnerung an das, was vorher war. Alles, was er hatte, war dieser Bogen Papier, der sich in einem Umschlag in seinem Umhang befand. Er ging ein paar Schritte, um einen Aussichtspunkt zu suchen. Dann setzte sich auf die Wiese, wo er sich jetzt immer noch befindet.

Der Wolkenteppich, der sich unter der untergehenden Sonne orange färbt, sieht erhaben aus. Die Nebelschwaden bewegen sich wie Wellen, wie ein großes Meer. Die Stimmung verrät, das etwas Großes passieren wird. Nochmal blickt er auf das Papier und seine Augen verraten, dass eine furchtbare Angst in ihm aufsteigt, während er liest. Plötzlich wird er rastlos und unruhig, packt seine Sachen und macht sich auf den Weg, ins Tal. Er nimmt den Weg, der an den weißen Bäumen entlangführt. Vögel kreisen über seinen Köpfen. Die Kälte steigt ihn ihm auf (…)

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