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„Abenteuer Blitzfotografie (2) – Wie man einen Blitz erwischt“

„Abenteuer Blitzfotografie (2) – Wie man einen Blitz erwischt“

Den Augustabend, an dem ich den obenstehenden Blitz aufnehmen durfte, werde ich nie vergessen. Im Laufe des Nachmittags zeichnete sich ab, dass ein langgehegter Traum in Erfüllung gehen würde: Das „Henry Chapelle Abend-/Nachtgewitter“. Wie entsteht so ein Plan? In unzähligen Chasings und in vielen Gesprächen mit anderen Wetterfotografen entdeckt man immer wieder Spots, die sich bei bestimmten Wetterlagen gut eignen. Diese merkt man sich natürlich für den richtigen Tag mit der richtigen Wetterlage. Ich habe hunderte solcher „fotografischen Pläne“ im Kopf. Ein unter Chasern im Rheinland sagenumwobener Spot ist „Henry Chapelle“. Dort laufen die Gewitter von Westen auf die nördlichen Ausläufer der Eifel. Zwar nur noch in Form einiger Hügel, aber trotzdem mit phantastischer Sicht nach Westen – weil westlich davon einfach alles platt ist. Es gab Jahre, in denen die Gewitter perlschnurartig genau über diese Hügel zogen. Vor allem Lars Lowinski, der damals dort wohnte, hat viel darüber erzählt – dadurch hat dieser Spot einen sehr guten Ruf bekommen und einige von uns hatten den Plan, bei einer richtig guten Lage dort zuzuschlagen. Es kam also, wie es kommen musste – als sich an dem Sonntag Ende August abzeichnete, dass ein blitzaktives Gewitter dort hinzog, waren direkt mehrere Chaser dort, unter anderem auch Erik Dirksen und Gerd Bierling – zwei Kölner Haudegen, die man normalerweise nicht so schnell aus dem rheinischen Fotogefilden rausbekam. Dennis Oswald war natürlich auch dabei.

„Verschiedene Blitztrigger“

In diesem Jahr hatte ich eine Neuanschaffung, die mir an diesem Tag das Bild des Tages bescheren sollte. Einen „elektrischen“ Blitztrigger. Das ist ein Gerät, welches den elektrischen Impuls, der durch die Atmosphäre geht, misst und diesen als Signal zum Auslösen der Kamera verwendet. Ich habe damals von einem befreundeten Chaser einen Bauplan bekommen, mit dem man so ein Gerät für ca. 30-40€ mit Elektrokleinteilen selbst bauen kann. Und was soll ich sagen: Das Ding funktioniert super. Man muss ein bisschen ein Gefühl dafür kriegen, wie man die Einstellungen an zwei Reglern, die das Gerät hat, vornimmt – aber es geht.
(Leider hatte ich es nur eine Saison, danach war es kaputt, weil ich es ohne Gehäuse habe bauen lassen – eine 2. Version habe ich aber schon seit Jahren geplant – vielleicht dieses Jahr 😉)

Ein anderes Gerät, welches ähnlich funktioniert, ist der optische Blitztrigger: er ist – ähnlich wie der elektronische – mit dem Fernauslöser der Kamera verbunden und sendet diesem ein Signal, wenn ein Sensor das Flackern des Blitzes bemerkt. Ich hatte schon so ein Teil, habe es aber zurückgehen lassen, weil es aus meiner Sicht deutlich schlechter funktioniert als der elektrische Trigger.

„Serienbilder als Notlösung“

Was tut man, wenn man tagsüber keines dieser Geräte hat? Ganz einfach – man nutzt die Serienbildfunktion der Kamera. Damit konnte ich auch schon sehr viele schöne Blitze festhalten – besonders bei einer hohen Blitzrate der Gewitter. Allerdings geht das ganz schön aufs Material – und ein Tagesblitz sieht selten so toll aus wie Nachtblitze. Oft sind die Verästelungen nicht so gut erkennbar.

Daher muss auch jeder überlegen, ob er 150€ für einen optischen Blitztrigger ausgibt – ich finde nicht, dass es sich lohnt, zumal er schlechter funktioniert als der Impulstrigger, den man viel günstiger selber bauen kann. Ich habe den Trigger eigentlich ausschließlich bei Sonnenuntergangsstimmungen genutzt – wenn das Licht schon schwächer ist, aber eine herkömmliche Langzeitbelichtung noch nicht funktioniert.

„Blitz – Nachtaufnahmen mit Langzeitbelichtung“

Damit wären wir bei der klassischsten Art der Blitzfotografie: Für herkömmliche Nachtaufnahmen reicht eine normale Langzeitbelichtung, um ein Blitz auf das Bild zu bekommen. Das funktioniert dann auch erstaunlich einfach. Man belichtet zum Beispiel 20 Sekunden lang. Alle Blitze, die in den 20 Sekunden in dem gewählten Bildausschnitt herunterkommen, sind auch auf dem Bild zu sehen. Wenn die Kamera mit einer Bulb-Funktion ausgestattet ist, kann man so lange belichten, bis ein Blitz kommt und dann die Belichtung beenden. Langzeitbelichtung funktioniert natürlich nur mit Stativ – oder man stellt die Kamera auf den Boden – sie darf sich während der Aufnahme nicht bewegen. Unbedingt zu empfehlen ist auch ein Fernauslöser (ich nutze am liebsten die Kabelversion, denn die ist wenig fehleranfällig) – der verhindert, dass kleine Erschütterungen zu Unschärfen führen.

„Die Filterlösung“

„Nacht“ kann man natürlich auch mit einem Graufilter simulieren und damit die Belichtungzeit verlängern. Besonders bei sehr nahen Gewittern ist das eine weitere gute Möglichkeit, um nahe Blitze ohne allzugroße Strapazen für die Kamera zu erwischen. Ich mache dann zwar auch noch Serienbilder, aber bei einer Belichtungszeit von 1-2 Sekunden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Treffer deutlich. Bei weiter entfernten Blitzen gehen beim Graufilter allerdings viele Bildinformationen verloren – mir ist da noch keine gute Aufnahme gelungen…

„Finetuning“

Das war es soweit erstmal zu den Grundlagen. Um regelmäßig gute Bilder machen zu können und nicht nur auf Zufall angewiesen zu sein, braucht man ein gutes Stativ (siehe Folge 1), die richtigen Objektive und ein Gefühl dafür, bei welcher Licht- und Gewitterlage welche Blenden – und ISO- Einstellungen funktionieren. Auch die Fokussierung bei Nacht ist je nach Kamera etwas, was man genau durchdenken sollte. Dazu erzähle ich euch dann in der nächsten Folge mehr.

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